Krankenhauswechsel

Ich bin der Begleiter oh­ne rech­te Aufgabe in die­sen Tagen. Ich darf ein paar Sitze ma­chen, pas­se auf, dass wir al­le Sachen mit­neh­men, die wir so mit­schlü­ren und sit­ze bei der Geburt zu­nächst auf ei­nem Stuhl am Eingang. Es ist ein schwach be­leuch­te­ter Raum, in dem ei­ne net­te blon­de Krankenschwester han­tiert. Es ist noch warm vom Tag und die Stimmung ist an­ge­nehm ge­löst.
Die Geburt geht un­ge­mein schnell und am­bi­tio­niert von Mutter und Tochter von stat­ten, wie mir scheint. Die frisch­ge­ba­cke­ne Mami ist aus der Puste und freut sich mit hoch he­cheln­der Stimme über den Neuankömmling, den sie an sanft die Brust drückt. Ich darf die Nabelschnur durch­schnei­den.
Wir hö­ren ein Krächzen und ich den­ke, das ist al­so die Stimme dei­ner Tochter. Sie kommt zum Stillen an die Brust der Mama, als das aber et­was zu hek­tisch ist, wird das Baby hoch ge­nom­men und un­ter­sucht. Das Köpfchen ist et­was blau an­ge­lau­fen und das Baby sagt ge­ra­de nichts, was uns ver­un­si­chert. Es scheint aber al­les un­ter Kontrolle zu sein, des­we­gen regt sich in mir kei­ne Panik.
Das Baby kommt zu­rück auf die Station, wir lan­den im ge­räu­mi­gen Familienzimmer, als es nach ei­ni­ger Zeit der Mama schlech­ter geht. Wir kom­men er­neut in den Kreißsaal, der ru­hi­ge Arzt aus der Vorbesprechung küm­mert sich en­er­gisch um sie und ich schaue ernst zu. Die Zeit ver­geht mit Zuschauen und Warten. Ich fra­ge im Stationszimmer, wie es der Kleinen geht, man sagt mir gut, ich sol­le mich um mei­ne Frau küm­mern, was ich dann auch tue.

Morgens sind wir im Stillzimmer des Marienhospitals, in dem ich mich kurz fra­ge, ob die Anwesenheit ei­nes Vaters über­haupt okay ist. Irgendwann schneit die Ärztin der Intensivstation des Florence-Nightingale-Krankenhauses mit Anhang her­ein und un­ter­sucht die Kleine. Sie wer­den sie mit­neh­men, wird uns nach ei­ner kur­zen Untersuchung mit­ge­teilt, was die Mama ent­setzt. Ich ver­su­che sie et­was zu be­ru­hi­gen, da ich ja bei der Kurzen blei­ben wer­de, aber das funk­tio­niert nur so mit­tel­präch­tig.
Inzwischen liegt Katja fest­ge­schnallt in ei­ner durch­sich­ti­gen Röhre, die et­was an ei­nen spa­ci­gen Brotkasten er­in­nert. Ich darf nicht mit dem Krankenwagen mit­fah­ren, des­we­gen schaue ich noch­mal et­was in­ten­siv, wie es der schla­fen­den Katja so ge­hen mag, spre­che mich noch et­was mit der Mami ab und ei­le nach Hause und be­stel­le ein Taxi. Ich brab­bel ir­gend­et­was von ei­nem neu­mo­der­nen Krankenhaus, in das mein Kind ver­frach­tet wer­de, der Taxifahrer klärt mich dar­auf­hin et­was über den nicht­neu­mo­der­nen Namen auf. Egal.

Ich kom­me im Florence-Nightingale-Krankenhaus, ei­nem wei­ßen, klot­zi­gen Neubau, an und an der Rezeption ist der Name mei­ner Tochter un­be­kannt. Aja. Vielleicht war ich schnel­ler als der Krankenwagen, was mir aber auch nicht son­der­lich plau­si­bel vor­kommt. Ich fah­re mit dem Aufzug auf die Kinderintensivstation, ge­he durch die Eingangskontrolle, zap­fe et­was Handreinigungsgel ab, weil man das hier so macht, und wer­de in ein Zimmer ge­führt, in­dem Katja liegt. Es ist auch eher düs­ter, sie hat das hin­te­re von zwei Betten am Fenster. Die Kleine schläft, ist aber mit Schläuchen und Kabel an Monitore und Antibiotikum an­ge­schlos­sen. Sie sieht zu­frie­den aus und klein. Ich ge­nie­ße die Ruhe und streich­le ihr Köpfchen. Sie scheint es zu mö­gen.

Eine Schwester kommt nach ei­ni­ger Zeit her­ein und er­klärt mir fast ent­schul­di­gend, dass das Kind bei der Einlieferung wirk­lich krank aus­ge­se­hen hat, aber jetzt schei­ne sie sich be­rap­pelt zu ha­ben, und se­he nach der Infusion gar nicht mehr krank aus. Ich über­neh­me das Fläschchengeben und neh­me die Kleine ab und zu aus dem Brutkasten auf den Arm.
Im Krankenhaus gibt es Teamwechsel, zu de­nen die Besucher die Station ver­las­sen müs­sen. Ich ge­he zum Zeitvertreib in den an­gren­zen­den Park, es ist wie­der war­mes Wetter mit viel Sonnenschein, und te­le­fo­nie­re auf ei­ner Bank mit Tati, der ich ver­si­chern kann, dass es der Kleinen gut geht. Ich er­läu­te­re et­was das Krankenhaus, die Pausen und an­de­re Nebensächlichkeiten. Dann er­schei­ne ich punkt­ge­nau wie­der vor der Einlasstür. Die Kleine schläft wie­der und wie mir scheint, hat sie von all dem Trubel ein­fach nichts mit­be­kom­men. Was ein groß­ar­ti­ges Kind.

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